Zu viel Jod bei Hashimoto: Sollte man auf Jod verzichten?

Zu viel Jod

Zu viel Jod soll dafür verantwortlich sein, dass sich Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto Thyreoiditis noch verschlimmern können. Hat man bereits Hashimoto, kann zu viel Jod die Schilddrüse noch mehr entzünden. Oder schlimmer noch: Es entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion.

Hashimoto Patienten wissen meistens nicht, was sie mit so einer Information anfangen sollen. Zu wenig Jod löst eine Schilddrüsenunterfunktion aus, während zu viel Jod ebenfalls eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen kann.

Hier kommt mir doch gleich der Verdacht, dass man Patienten mit Absicht zu verunsichern möchte. Denn nur der Arzt kann die perfekten Jod  Werte ermitteln, damit man ja nicht in eine Unterfunktion rutscht. Aber dadurch bindet sich der Patient an den Arzt und an eine lebenslange Medikamenteneinnahme.

Das kann einem doch schon mal ein Fragezeichen ins Gesicht zaubern! Aber was hat das auf sich? Wir haben der Sache gründlich auf den Zahn gefühlt.

Wieso brauchen wir Jod?

Bei der Frage, ob weniger Jod besser ist als zu viel Jod, kann man eindeutig mit Ja beantworten. Natürlich sieht das bei Hashimoto etwas anders aus, was ich noch erklären werde.

  • Zu wenig Jod: Was passiert?

Jod wird nur dafür genutzt, um neue Schilddrüsenhormone zu bilden. Wie bereits in dem Artikel zu den Aufgaben der Schilddrüse erwähnt, wird Jod für die Bildung neuer Hormone benötigt. Ohne Jod ist die Schilddrüse nicht in der Lage, Hormone zu bilden.

Bei zu wenig Jod bildet sich erst recht eine Schilddrüsenunterfunktion. Es bildet sich ein Kropf und die Schilddrüse vergrößert sich. Zu allem Pech kommt noch eine Gewichtszunahme hinzu. Unser Körper wird nicht ausreichend entgiftet. Zu wenig Jod kann also sehr fatal sein. Ich denke, in diesem Punkt sind sich alle einig.

  • Zu viel Jod:

Bei zu viel Jod können sich mehr Hormone bilden, der Stoffwechsel kann erhöht und der Grundumsatz gesteigert werden. Bei einer gesunden Schilddrüse wird das aber nie passieren. Ein völlig gesunder Mensch funktioniert einwandfrei. Die Schilddrüse kann nur eine bestimmte Menge an Jod aufnehmen. Ist diese Menge erreicht, wird der Rest ausgeschieden.

  • Zu viel Jod bei Hashimoto:

Anders sieht es bei Hashimoto aus. Die Frage muss also lauten, ob man bei Hashimoto zu viel Jod aufnehmen kann. Und warum diese Frage? Weil eine entzündete Schilddrüse sensibel auf das Jod reagieren kann. Viele kennen diesen Effekt. Das ist der sogenannte Schub, bei dem man zu viel Jod aufgenommen hat und sich plötzlich komisch und zittrig fühlt.

Aber trotz des Schubs ist zu wenig Jod falsch. Denn ohne Jod wird letztendlich alles noch schlimmer. Bei Hashimoto wird deshalb oft dazu geraten, die Einnahme von Jod vorerst zu stoppen, wenn die Schilddrüse empfindlich darauf reagiert. Besonders auf Jodsalz soll verzichtet werden.

Aber was ist nun richtig? Richtig ist, dass wenig Jod noch schlimmer ist als zu viel. Also sollte man einen Weg suchen, wie man auch mal Sushi essen gehen kann, ohne sich danach gleich im Kreis zu drehen. Es gibt im Grunde genommen nur einen Weg, wie man mit Hashimoto den Schub umgehen oder diesen Effekt bekämpfen kann. Da Jod absolut wichtig ist, sollte man es zumindest versuchen. Jod wird so erträglicher und im besten Fall bleibt der Schub weg. Dazu weiter unten mehr.

Jod ist absolut wichtig! Auch bei Hashimoto. Bekommt man einen Schub, sollte man die Jodaufnahme reduzieren und die Schilddrüse therapieren. Dazu weiter unten mehr. Besonders Jodsalz und Jodtabletten sollte man meiden. Natürliche Lebensmittel mit Jod dagegen sollte man weiterhin zu sich nehmen.

Warum reagiert die Schilddrüse empfindlich auf Jod?

Bei Hashimoto kann die Schilddrüse empfindlich auf Jod reagieren. Das heißt aber nicht, dass Jod schlecht ist.

Wer das Buch „Jod – Schlüssel zur Gesundheit“ gelesen hat, weiß, wieso die Schilddrüse so empfindlich reagieren und einen Schub auslösen kann.

Kyra Hoffmann vergleicht in ihrem Buch die Schilddrüse mit einem Reizmagen: Auch wenn der Magen entzündet ist, benötigt der Körper essen. Isst man dann etwas, kann es starke Schmerzen auslösen. Ist weniger Essen also besser? Nein, natürlich nicht. Essen muss man trotzdem, genauso wie die Schilddrüse Jod benötigt.

Wie beim Reizmagen ist auch die Schilddrüse entzündet, was eben diesen Schub auslösen kann.

Auch Vanessa Blumhagen beschreibt dieses Phänomen ausführlich in ihrem Buch „Mein Leben mit Hashimoto„.

Kann zu viel Jod eine Schilddrüsenunterfunktion hervorrufen?

Die Produktion der Hormone läuft im Körper immer gleich ab. Kommt man zum Beispiel in einen Angstzustand, wird das Hormon Adrenalin produziert. Dies geschieht automatisch. Es ist nicht abhängig davon, ob man vorher 2 Energie Drinks getrunken hat oder nicht.

Bei Insulin findet ebenfalls eine automatische Regelung statt, solange man gesund ist.

Und genauso verhält es sich auch mit den Schilddrüsenhormonen. Wird der gesunden Schilddrüse permanent eine Überdosierung an Jod zugeführt, stellt diese die Produktion der Hormone ein. Sie merkt schließlich, dass sie das ganze Jod nicht in das Hormon T3 umwandeln kann, weil der Stoffwechsel sonst in die Höhe schießen würde.

Eine automatische Regulierung des Körpers also!

Eine Überdosierung an Jod wird manchmal sogar absichtlich eingesetzt und ist als Wolff-Chaikoff-Effekt oder als Plummern bekannt. Man hat diese Methode früher vor einer Schilddrüsen-Operation bei Patienten eingesetzt, die eine Schilddrüsenüberfunktion hatten. So konnte die Hormonbildung gestoppt werden, damit während der OP keine Schilddrüsenhormone unkontrolliert ins Blut gelangen.

Aber doch bleibt die Frage, woher die Behauptung kommt, dass bei Hashimoto zu viel Jod zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen kann?

Und die Antwort lautet: Selbst wenn dies möglich wäre, dann nur durch Jodtabletten, viel getrocknete Algen oder andere hoch dosierten Nahrungsergänzungsmittel, die viel Jod enthalten. Durch natürliche Lebensmittel definitiv nicht! Denn solche hohen Jodmengen kann man durch eine ausgewogene Ernährung niemals erreichen! Vor allem dann nicht, wenn man in einem Jod Mangelland lebt. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Hohe Jodmengen durch natürliche Lebensmittel nicht möglich

Mir einer sehr hohen Joddosis kann man die Hormonproduktion also stoppen, wie sie beim Plummern angewendet wird. Durch eine normale Ernährung aber nicht.

  • Man muss nämlich wissen, dass man beim Plummern die Jod Dosis auf mehrere hundert Milligramm erhöht hat. Im Vergleich: Der Tagesbedarf einer gesunden Schilddrüse wird mit aktuell mit 200 Mikrogramm angegeben. Eine so große Menge an Jod kann man durch natürliche Lebensmittel nicht aufnehmen.
  • Zugeführt wurde dem Körper immer pures Jod! Dieses Jod ist nicht zu vergleichen mit natürlichem Jod.
  • Zu diesem Zeitpunkt konnten wir keine wissenschaftliche Studie finden, dass ein „zu viel an Jod“ eine Unterfunktion der Schilddrüse hervorrufen kann.
  • Wir haben keine Studien gefunden, die belegen, dass man durch natürliche Lebensmittel überhaupt eine zu hohe Jod Dosis bekommen kann. Gerade umgekehrt. Deutschland ist immer noch ein Jod Mangelland.

Wenn man durch natürliches Jod aus natürlichen Nahrungsmitteln eine Unterfunktion der Schilddrüse bekommen kann, wo bleiben dann Studien und Beweise? Man muss deshalb davon ausgehen, dass mit solchen Behauptungen künstliche hohen Jodmengen gemeint sind.

Kein Jod bei Hashimoto Schub?

Und dennoch kann man bei Hashimoto einen Schub bekommen! Wie sieht das ganze dann aus? Hashimoto Patienten kennen das: Sie essen zu viel Jod und kurze Zeit später reagiert ihre Schilddrüse heftig auf das Jod.

Sie bekommen Herzrasen, Übelkeit, Zittern am ganzen Körper und so weiter. Ein gutes Beispiel davon erzählt die Autorin Vanessa Blumhagen, bei dem sie zu viel Jod gegessen hat und all diese Symptome bekommen hat. Dieses Phänomen nennt man ganz einfach „Schub“.

Sollten Hashimoto-Patienten aufgrund dessen auf Jod verzichten oder nicht?

Wichtig ist es zu wissen, dass jeder Mensch Jod benötigt. Jod einfach wegzulassen erst recht keine gute Idee.

Kyra Hoffmann rät in ihrem Buch „Jod Schlüssel zur Gesundheit“ (Seite 121), dass Hashimoto-Patienten mit Jodsensibilität eine ursachenbezogene Therapie machen sollten.

Sie konnte feststellen, dass eine KPU/HPU die Entzündung in der Schilddrüse lindern konnte, Später konnten Patienten das wieder Jod vertragen.

Bei Hashimoto kann die Schilddrüse kann empfindlich auf Jod reagieren. Jod wegzulassen, ist aber nicht richtig. Stattdessen sollte man versuchen, eine Therapie zu machen, dazu weiter unten mehr.

Schub bei zu viel Jod: Was kann man tun?

Kommen wir endlich zu der Frage, was man gegen einen sogenannten Schub tun kann. Dafür muss die Schilddrüse zunächst daran gewöhnt werden, höhere Mengen an Jod zu vertragen. Das kann man mit 2 Therapien erreichen. Allerdings muss man diese Therapie auch tatsächlich durchziehen, wenn man einmal damit begonnen hat.

Ernährungs- und Nährstoff-Therapie

Das absolut wichtigste bei Hashimoto ist die richtige Ernährung. Die Schilddrüse benötigt nicht nur Jod und Selen, um richtig zu funktionieren.

Die Schilddrüse benötigt viele weitere Nährstoffe und Antioxidantien. Antioxidantien lindern chronische Entzündungen und können das Immunsystem beruhigen. Danach sollte Jod von der Schilddrüse besser aufgenommen werden. Wichtig für eine nährstoffreiche Ernährung sind Lebensmittel, die eine hohe Nährstoffdichte besitzen. Dafür habe ich eine Liste mit nährstoffreichen Lebensmitteln zusammengestellt. Doch Achtung: Gerade Kohl sollte man bei Hashimoto nicht allzu oft essen. Dabei gehört Kohl zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln.

Weiterhin sollte man beachten:

  • Viel Gemüse essen,
  • auf Gluten verzichten.
  • Keine Fertiggerichte!
  • Möglichst nur natürliche Lebensmittel benutzen.
  • Kokosöl anstatt andere Öle zum Kochen.
  • Rotes Fleisch, vor allen die Nieren und Leber.

Zusätzliche Nährstoffe:

  • Vitamin C (auch über Sanddornsaft möglich).
  • Haferflocken (enthält vor allem Zink).
  • Selen (durch 2 bis 3 Paranüsse).
  • Vitamin-B hoch dosiert (vor allem B2).
  • Omega 3-Fettsäuren
  • und Kurkuma (hilft bei chronischen Entzündungen) sind ebenso wichtig.

Die Therapie sollte man mindestens 30 lang durchführen.

KPU/HPU Therapie

Eine zweite Möglichkeit, dass Jod vom Körper besser aufgenommen wird, ist die KPU/HPU Therapie. Diese Therapie kann nur bei einem Arzt / Frauenarzt durchgeführt.

Dabei kommt es zu einem ständigen Verlust von lebenswichtigen Vitaminen. Vor allem Zink und Mangan, die für die Schilddrüse unerlässlich sind, können verloren gehen. Sie werden einfach in größeren Mengen über den Urin ausgeschieden. Wenn mehr Nährstoffe ausgeschieden werden, als man durch die Ernährung zu sich nehmen kann, kommt es zu einer gefährlichen Mangelerscheinung und zu Stoffwechselstörungen.

Die meisten Symptome sind ähnlich wie bei Hashimoto.

Das heißt im Klartext, dass die Schilddrüse diese Nährstoffe nicht nutzen kann. Auch dann kann es einer Unterfunktion der Schilddrüse und zu Sensibilität bei zu viel Jod führen.

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